IM GEDENKEN AN GERALD RIENMÜLLER "RINTI"

Meine Beweggründe:

Bei meiner, viele Stunden lang dauernden, Reise durchs Netz habe ich zahlreiche Schicksale entdeckt.

Tief bewegende Gedenkseiten, erstellt von Menschen, die einen geliebten Angehörigen verloren haben. Und jede einzelne dieser Seiten erzählt eine einzigartige traurige Geschichte. 

Begriffe wie: "Verwaiste Eltern" oder "Sternenkinder" waren mir bisher unbekannt. Aber jetzt bin ich selbst eine "verwaiste Mutter" und habe ein "Sternenkind". Auf einmal fühle ich mich dazugehörig. Ich bin nicht alleine mit meiner Trauer und Gefühlen, für die unser Wortschatz keine Bezeichnung hat. Wie durch ein unsichtbares Band fühle ich mich verbunden mit all den Hinterbliebenen,  denn wir alle erleben den Schmerz des Verlustes.

Heute habe ich den Mut auch meine Geschichte nach außen zu tragen und somit öffentlich zu machen.

Ich habe einen wichtigen Teil meines Lebens verloren, ein Teil meiner Welt ist Vergangenheit. So wie es war, wird nichts mehr sein,...aber...es wird weitergehn...

Mich führt mein Weg beinahe täglich auf den Friedhof, ans Grab, aber mir wird deutlich, daß ich Gerald dort nicht begegnen kann. Aber...wo ist er jetzt? Diese Frage beschäftigt mich ständig. Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Ich glaube und hoffe, daß das Leben mehr ist als diese kurze Zeit auf der Erde. Ich vertraue darauf, daß jemand da ist, der unser aller Leben in der Hand hält!

WAS MICH BESONDERS TRAURIG UND WÜTEND MACHT:

Für Gerald gibt es kein Straßenkreuz, da der Unfall im Zentrum der Stadt geschah.

An bestimmten Gedenktagen (Geburtstag, Sterbetag, Allerheiligen, Weihnachten) stelle ich Kerzen an dieser Stelle auf, lege Blumen oder einen kleinen Gedenkkranz nieder. Aber schon nach kürzester Zeit wird beobachtet, wie diese Gegenstände mit Fußtritten auf die Fahrbahn geschleudert und die Kerzenbehälter zum Verrichten der Notdurft benützt werden. Ich wurde gebeten, diese Stelle nicht aufzusuchen.......

....... und sogar vom Grab verschwinden regelmäßig die von mir und Geralds Freunden liebevoll aufgestellten Gegenstände......

Ich finde es abscheulich, das Andenken an einen Menschen so zu entehren!

Brief an Gerald

Auch heute hat mich mein Weg wieder auf den Friedhof geführt, zu deinem Grab, aber du warst nicht da.

Ich weiß, daß ich dich hier nicht finden werde. Aber es ist so schwer. Ein Teil von mir, deine Hülle, ist hier mit Erde bedeckt und ein anderer Teil wiederum ist  mit DIR gegangen, wo immer du bist.

Ich bin mir sicher, daß dieses Erdenleben nur ein klitzekleiner  Bruchteil unser unendlichen Existenz ist und daß JEMAND da ist, der uns lenkt und uns durch die einzelnen Stationen führt. Diese Hoffnung läßt mich mein Leben zu Ende leben.

Immer wieder führt mich meine Suche nach DIR hierher, obwohl ich weiß: DU bist überall.

Nachts blicke ich immer wieder in den dunklen Himmel mit den unendlichen vielen leuchtenden Sternen. Ich möchte so gerne sehen, was hinter dem Himmel ist! Ich stelle mir dann vor, was wäre, wenn die Sterne gar keine Sterne sind, sondern Löcher im Himmel, aus denen Licht hervorscheint. Wenn ich diese Löcher vergößern könnte, riesengroß machen könnte, dann wäre doch das Licht hinter der Himmelsdecke zu sehen. Vielleicht kann ich DICH dann sehen?

Bei einem Gewitter stelle ich mir vor, daß Blitze für einem Moment den Himmel zerreissen und einen Spalt öffnen und wenn ich nur schnell genug bin, kann ich das Licht erkennen. Das wäre dann fast so, als würde ich einen Fuß in die Himmelstür stellen.

Ich weiß, überall wo ich hinkomme, bist  DU schon vor mir da. Ich klettere gerne auf Berge, aber wenn ich dann nach mühevollem anstrengeden Weg oben auf dem Gipfel ankomme, dann bist DU vor mir schon da! Wenn ich mich in meinem Sessel verkrieche und über Gott und die Welt, das Leben und das Leben nach diesem Leben rätsle und Fragen stelle, auf die selbst die Wissenschaft keine Erklärung hat: DU kennst die Antwort auf alle Fragen die jemals gestellt wurden und in Zukunft noch gestellt werden..

Wenn sich ein Schmetterling auf meine Hand setzt: DU weißt, was er mir sagen will.

DU kannst alle Sprachen dieser Erde verstehen, von allen Menschen, egal welcher Hautfarbe. DU kennst den Weg eines jeden einzelnen Wassertropfens.  DU kennst das Geheimnis des Lebens und weißt Bescheid über das Schicksal jedes Menschen, der jemals geboren wurde und die, die uns schon vor langer Zeit vorausgegangen sind. DU kennst sogar den Zeitpunkt, wann die Sonne erlöschen wird und die Erde aufhört sich zu drehen.

Warum bin ich dann so traurig, wo DU mir doch diese Erkenntnisse hast zukommen  lassen? Wahrscheinlich deshalb, weil ich ein Mensch auf der Suche bin, auf meiner Suche nach DIR.

Ich war heute wieder auf dem Friedhof, aber DU warst nicht hier…..

Und morgen,…. Und übermorgen…...

 

Copyright Isolde Rienmüller

 

 

 

Wenn erst einmal…

 

Wenn ein Kind geboren wird, ändert sich das Leben von einer Sekunde auf die andere. Vorbei sind die ruhigen Nächte und man sagt: Wenn du erst einmal ein paar Wochen alt bist, wird es anders sein. Du wirst hoffentlich durchschlafen.

Dann sind die Wochen um und man sagt, wenn du erst einmal 3 Monate alt bist, dann hören deine Bauchschmerzen auf, nach dieser Zeit sagt man: Wenn du erst einmal laufen kannst, wird alles anders sein. Wenn du auf deinen wackligen Beinchen stehst und neugierig die Küchenlade inspizierst, sagt man: Im Kindergarten wird alles anders. Wenn dann endlich die wichtigsten Kinderkrankheiten vorbei sind kann man den Augenblick kaum erwarten, wenn du mit deiner Schultüte und dem Rucksack stolz und aufgeweckt  in die 1. Klasse marschierst.  

Nach der euphorischen Anfangszeit  sehnt man den Augenblick herbei, wo die Schulzeit endlich vorbei ist und ist überzeugt: Aber jetzt wird wirklich alles anders!

Wenn du einen Beruf erlernt hast und eine Freundin an deiner Seite ist, wird alles mit Sicherheit anders, denn du hast die ganze Zukunft vor dir.Und wenn du erst einmal eine eigene Wohnung hast, ein neues Auto, wenn du viele Freunde hast, wenn du Pläne machst, wenn du Träume hast, die in Erfüllung gehen: Dann hast du es geschafft, denn von da an wird es wunderbar anders.

Eltern erleben in Gedanken schon immer den nächsten Lebensabschnitt ihres Kindes 1000 Mal im voraus.

Aber keine Sekunde denkt man: Wenn du erst einmal tot bist!  

Diesen Gedanken erlauben wir und niemals. Wenn man mit dieser endgültigen Tatsache konfroniert ist, DANN IST WIRKICH ALLES, GANZ ANDERS! Denn man war ja nicht vorbereitet .

Wenn schlagartig die Sorgen um das Kind weg sind! Was macht man mit der Fürsorge, der Rücksicht, der Verantwortung, der gebenden und führenden Hand, die immer für das Kind dar war? Zu keiner Zeit denkt man, daß ein Kind vor einem selbst geht und man einmal an seinem Grab stehen wird.  Wie übersteht man diesen Verlust, diese schmerzende Leere? Die quälenden Gedanken, die einen bis an den Rand des Wahnsinns treiben? Wie erlebt man den zukünftigen Alltag mit sogenannten Feiertagen wie Geburtstag und Weihnachten? Wenn die Erinnerung zum Lebensbegleiter wird, die Angst vor dem Vergessen den Schlaf raubt?

Es gibt ein Gefühl, das ab der Geburt nie seinen Charakter ändert, das nie weniger  wird und ein riesiges Potential hat und das uns überleben läßt, ein Gefühl, das sogar Hoffnung und Glaube zuläßt , denGlauben, daß eines Tages alles anders sein wird…..Es ist: DIE UNENDLICHE LIEBE einer Mutter zu ihrem Kind.

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Copyright: Isolde Rienmüller - Text aus dem Hörbuch: "Was ist hinter der Tür....?" ISBN 978-3-900006-56-3

 

 

 

 

 

 



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