zum Menue
Zur Entstehung und Geschichte der Boule-Spiele bis zu Pètanque.

Kugelspiele gibt es in verschiedenen Formen schon seit der Antike. Seit dem Mittelalter spielt man in Frankreich Boule. Dieses läßt sich durch erlassene Verbote nachweisen.
Zum Beispiel verbot König Philipp V das Boulespiel im Jahre 1319, König Karl V im Jahre 1369 weil die Soldaten Boule spielten statt Bogenschießen zu üben, der Erzbischof von Tournay (Dépt. Hautes-Pyrénées) im 14.Jahrhundert. Der niederländische Philosoph und Autor zahlreicher Bücher Erasmus (Desiderius) von Rotterdam (1466-1536) zitiert mehrere Variationen der Ballspiele. François Rabelais (1494-1553) katholischer Ordensbruder und praktizierender Arzt in Lyon befürwortete als Mitglied der medizinischen Fakultät der Universität Montpellier das Boulespielen als das Allheilmittel:  „Es gibt keinen Rheumatismus oder andere ähnliche Leiden, die nicht durch dieses Spiel vereitelt werden können, es ist für jede Altersstufe geeignet von den frühesten Kindheit bis zum Alter“.
"Il n'y pas point de rhumatismes et d'autres maux semblables que l'on puisse prévenir par ce jeu; il est propre à tous les âges, depuis la plus tendre enfance jusqu'à la vieillesse."
König Ludwig XI. (1461 bis 1483) wußte das auch und spielte häufig Boule.
In Plymouth Hoe, an der Südwestküste von England, erwartet 1588 Vizeadmiral Sir Francis Drake am Strand Boule spielend die bevorstehende Ankunft der feindlichen spanischen Armada. Ein Posten berichtet die Ankunft. Statt das Spiel zu beenden, antwortete Sir Drake angeblich: " Ich habe immer noch Zeit, um dieses Spiel zu gewinnen und dann schlagen wir die Spanier. "
Der französische Nationalheld und Generalfeldmarschall Henri de La Tour d'Auvergne Vicomte de Turenne (1611 -1675) spielte Boule. Turenne galt als unschlagbar.

(Bild)

Mit Dekret vom 07.09.1629 verbietet das französische Parlament das Boulespielen. Ebenso verbot die Pariser Synode im Jahre 1697 ihren Geistlichen das Boulespiel in der Öffentlichkeit oder im Beisein von Weltlichen. Deshalb verlegten die Mönche ihre Spiele innerhalb der Klostermauern und waren die ersten, welche „Boulebahnen“ nutzten. Später gab es einen Erlaß der Lyoner Polizei, nicht auf den Verbindungsstraßen zwischen den Orten und nicht auf den Hauptstraßen der Stadt zu spielen.
In Frankreich, Italien und England war das Boulespiel in der bäuerlichen sowie in der bürgerlichen Gesellschaft eine Volkssportart mit regional unterschiedlicher Beliebtheit und mit lokal variierenden Regeln anzutreffen.
Die verwendeten Kugeln, meist aus Holz, variierten in Größe, Gewicht und Form.

Je nach Region spielt man in Frankreich Boule Bretonne, (Bild) Boule des Flandres (Bourle), an der unteren Loire in der Gegend von Anjou und der Touraine ab ca. 1660 la Boule de Fort, Boule de Sable im Loiretal zwischen Angers und Nantes, in der Gegend von Paris ab ca. 1865 Boule Parisienne (des Berges) (Bild)

Während der französischen Revolution, am Sonntag dem 28. April 1792, wird eine Gruppe von Nationalgardisten nach Arles geschickt, um einen Aufruhr niederzuschlagen. Sie versammeln sich im Kloster, wo Pulverfässer und Munition gespeichert werden. Um sich die Zeit zu vertreiben, spielen sie Boule und verwenden dazu Kanonenkugeln. Durch den Leichtsinn der rauchenden Spieler und Funkenschlag beim aufeinanderprallen der Kugeln explodieren die Pulverfässer. Es gibt 38 Tote und viele Verletzte.

Nach der französischen Revolution (1789-1799) und die dadurch hervorgerufenen gesellschaftlichen Veränderungen wurde das Boule spielen populärer, insbesondere in den Haupt-Verbreitungsgebieten Lyon und in der Provençe.

In der Gegend von Lyon, an den damals noch breiten und flachen Ufern der Rhône und Saône wurden schon vor 1850 Spiele mit „großen (Holz)-Kugeln“ ("jeu de grosses boules") betrieben, welche später „ Boule Lyonnaise“ genannt wurden. Diese Kugeln stammten urspünglich aus der Poebene in Norditaien und gelangten über die Lombardei und Turin in den Osten Frankreichs.

Typische Werbung für Kugeln (1870) hier >
Die Popularität des Spiels wurde so groß, daß nicht nur auf Wiesen sondern auch auf allen freien Flächen in der Stadt gespielt wurde. Auch Tavernen und die gerade in Lyon
und Marseille aufkommenden „Cafés concerts“ hatten ihre eigene Spielfläche um den Umsatz zu steigern, wie auch die in fast jedem Ort an zu treffenden „Bar-Tabac“.
Diese Art des Lyoner Boulespiels verbreitete sich auf dem gesamten Gebiet des Rhône-Tales hinunter bis in den Süden (Provençe).
Nachdem die Lyoner Familie Jouve ihr mit Weinreben bepflanztes Grundstück entlang der Mauer der Église Saint-Bruno-les-Chartreux verkauft hat, wird dieses ab 1840 durch das Militär vom Fort Saint-Jean für Manöver genutzt.
Siehe hier >
(Heute befindet sich dort das Stade Roger Duplat)
Auf diesem nun geschlossenem Gelände „Le close Jouve“ entsteht auch eine kleine Kaserne. (Barracks Close Jouve)
Um diese Zeit war Freizeit für die meisten Menschen rar. In Frankreich war eine 7-Tage-Arbeitswoche mit 12-14 Stunden-Arbeitstag üblich und auch gesetzlich vorgesehen.
Trotz der raren Freizeit fanden ab ca. 1850 die ersten organisierten Boule-Spiele auf „Close Jouve“ statt.

Siehe hier >

In Frankreich wurden etwa 1865 Regeln für Boule Parisienne (Boule des berges) entwickelt.

1882 entwickelte ein gewisser Auguste Ferrouillat Wettbewerbsregeln für das Lyoner Boulespiel.

Am 31. März 1984 wurden die Spieler dazu aufgerufen, bei ihrem Spiel diese Wettbewerbsregeln zu implementieren. Die Frage nach der Art des Spielplatzes ergab einige Schwierigkeiten. Einige befürworteten einer flachen, andere einenrobusten“ Platz, wie Close Jouve.

Diese Art des Kugelspiels wurde ohne weiteres als ein demokratischer Sport gesehen.

Nachdem die Zeitung „Lyon Républicain“ bereits im Jahre 1892 mit großem Erfolg ein Radrennen organisiert hatte, ruft sie für Juni 1894 einen Grand Concours de Boules  (Turnier) aus.

Siehe hier >

Als eine Vorschau dazu diente am Tage vor dem eigentlichen Turnier ein freundlicher Wettbewerb zwischen 16 Teams bestehend aus lokalen Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Unterhaltung.

Das eigentliche Turnier mit der Teilnahme von nicht weniger als 1.248 Spielern begann am Sonntagmorgen den 03.06.1894 und endete am  Montagmorgen dem 04.06.1894 nach insgesamt 63 Spielen. Eine typische Scene zu solchen Turnieren siehe hier in >

Jede Mannschaft bestand aus 4 Spielern mit je 2 Kugeln. (Quadrette).

Zur Weltausstellung in Paris 1900  (Exposition Universelle et Internationale de Paris) fanden auch die sogenannten „Olympischen Sommerspiele 1900“ statt. (14. Mai bis 28. Oktober 1900)

Richtig jedoch hießen diese „Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports“. (Internationale Wettbewerbe für Leibesübungen und Sport)

Jeu Lyonnais (Boule Lyonnais) und Partie de berges waren dabei erst- und letztmalig eine Austragungsdisziplin. Diese Wettbewerbe waren aber kein durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) anerkannter offizieller Bestandteil dieser „Olympischen Sommerspiele“ obwohl dieses oft behauptet wird. So erscheint Boule auch nicht in der Wertung. (ebenso Pelota, der Automobilsport, der Motorbootsport und der Flugsport mit Ballon fahren und Drachenfliegen)

An zwei Tagen nahmen 54 Mannschaften mit insgesamt 216 Startern auf der noch heute existierenden Anlage des „Jeu de boules de Saint Mandé“ im Bois de Vincennes statt. Siehe Bilder >     Alle Teilnehmer waren Franzosen.

Den ersten Platz belegten im Jeu Lyonnaise Mouranchon, Clapier, Gaud, Bouvier (21 Punkte), den zweiten Platz Carrier, Billard, Jussel und Correiller. Bei der Parie de berges siegte die Mannschaft Schmitt mit 9 Punkten, den zweiten Platz belegten Couffon, Chevallier, Lougnol und Guiloteau.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Boule/Pétanque jedoch bis auf den heutigen Tag die offizielle Anerkennung als Olympische Sportart versagt.

Ebenfalls 1900 fand in Lyon auf dem mit 200 x 300 Metern drittgrößten Platz Frankreichs, dem Place Bellecour, zum ersten mal ein Wettbewerb unter der Schirmherrschaft der Lyoner Zeitung „Le Progrès“ statt.

Siehe hier >
Dieser heute noch immer zu Pfingsten stattfindende legendäre Concour für Boule Lyonnaise (Sport-Boule) war ab 1903 erstmals unterteilt in Amateure und Champions.

1906 folgte die Gründung eines Verbandes für Boule Lyonnaise.

Auf dem Weg des Rhône-Tales hinunter bis in den Süden (Provençe) entsteht aus dem Boule Lyonnaise um 1907 das Jeu Provençal (provenzalisches Spiel) mit einfacheren Regeln und leichteren, kleineren Kugeln.

Nachdem in Frankreich am 13.07.1906 die 6-Tage-Arbeitswoche gesetzlich eingeführt wurde, (Sonntagsruhegesetz) bestand das sonntägliche Freizeitvergnügen der Bürger häufig aus dem üblichen Boulespiel. Dieses Freizeitvergnügen stellte schon eine Besonderheit dar. Die Beteiligten trugen zu diesem Anlaß ihre gute (Sonntags)-Ausgeh-Kleidung.
Siehe hier >
Die Männer ausschließlich den dunklen Anzug mit weißem Hemd, Weste und (Stroh)-Hut (Canotier/Matelote), die Damen lange Röcke, Rüschenbluse und weit ausladenden mit Federn, Tüll oder Bändern geschmückte Hüte. Bild >

Auch in der in der kleinen französischen Hafen- und Werftenstadt La Ciotat die etwa 25 km östlich von Marseille liegt spielte man Boule. In La Ciotat gab es viele Bouleplätze, und die meisten waren immer voll. An dem größten Bouleplatz der Stadt, auf dem Gelände „Béraud“ , in der Nähe des Sainte-Croix Friedhof, betrieben  die Brüder Joseph (Bild) und Ernest Pitiot (Bild) (*1879) ein Café namens „La Boule Etoilée“.
Die meisten der Spieler arbeiteten auf den örtlichen Werften. La Ciotat hatte um diese Zeit 9545 Einwohner und eine Arbeitslosenquote von 50%.

Bei ihren sonntäglichen „Jeu provençal“ Wettbewerben, auch „le trois pas“ oder la longue“ genannt waren erheblich Preisgelder ausgeschrieben. Spielte man z.B. mit einem "Startgeld" von 5 Centimes, betrug das Preisgeld für den Sieger  oftmals 10 Franc, was einem heutigen Gegenwert von rund 190 Euro entspricht. (Berechnung Karl Heinz, 2014)      

Im Juni 1910 beschäftigten sich einige Spieler auf dem heute dort wieder existierenden Bouleplatz  (zwischen der heutigen Avenue Jean Moulin und Traverse Rinaudo gelegen, also am Ende der Avenue de la Pétanque) mit dem bewegungsreichen und athletischen Jeu provençal.

(Zwischenzeitlich wurde das Gelände, welches ursprünglich als Steinbruch für die Befestigung der Hafenanlagen diente, als illegale Mülldeponie genutzt.)

Jules Hugues, genannt „Le Noir“,
siehe hier < (rechts im Bild)
Ladenbesitzer aus La Ciotat, bis dahin sehr  erfolgreicher Meister des „Jeu Provençal“, der zu dem Spielerkreis gehörte, aber wegen einer Gehbehinderung nicht mehr mit machen konnte - ob Rheuma oder ein Unfall die Ursache war, ist unsicher- saß dabei auf einem Stuhl und schaute zu. Auch zu jener Zeit wurde das Spiel mit einem Anlauf von drei Schritten gespielt. Schließlich begann er sich den Unmut, nur zuschauen zu können, damit zu vertreiben, daß er seine Kugeln auf die sehr kurze Distanz von nur drei Metern warf. In einer Spielpause kam sein Freund, der Caféhausbetreiber Ernest Pitiot hinzu und leistete ihm bei dem neuen Zeitvertreib Gesellschaft. Andere Spieler schlossen sich an.
Mit der Zeit einigte man sich darauf, aus einem Abwurfkreis, stehend, auf sechs Meter Distanz zu spielen. »Nous jouons à pè tanca« (Wir spielen mit geschlossenen Füßen). Gleichzeitig wurden weitere Regeln entwickelt, die vom „provenzialischen“ Spiel abwichen. Provençalisch wurde es „Ped tanco“ getauft, was „geschlossene Füße“ bedeutet. Französisch wurde daraus, aber erst in den 1930 er Jahren, das Wort „Pétanque“.
Das in La Ciotat entwickelte Spiel fand sehr schnell neue Anhänger . Provençale-Spieler  erkannten schnell die Vorteile dieses Spieles. In der Provençe und im Süden von Frankreich verzeichnete dieser Sport im Jahre 1935, nach nur 25 Jahren, rund 135 000 Spieler. Aber auch in der Region Paris fand dieses neue Spiel seine Anhänger.

Anmerkung: Ernest Pitiot war dabei und war später viele Jahre Präsident des französischen Pétanque-Verbandes. Er hat ein Dokument hinterlassen, in der er die Erfindung dieses Spiels auf 1910 festlegt.
Dokument  siehe hier >

(Wikipedia gibt 1907 als das Jahr der Erfindung von Pétanque an, aber die waren damals nicht dabei !) Zuletzt aber erklärten das Museum in La Ciotat und der Französische Pétanque Verband unisono, 1907 habe die legendäre erste Pétanque-Partie stattgefunden…..wohl wegen der gerade passenden 100 Jahrfeier 2007. Diese fand unter anderem, als Rekonstruktion des ersten „Pétanque“-Spiel, am 13. Juli 2007 auf dem Boulodrom von La Ciotat, unter Mitwirkung solcher Größen wie die des viermaligen französischen Meister, Louis Benoit-Gonin sowie des 11maligen Weltmeister Philippe Quintais statt.

Siehe hier:> 100 Jahr-Feier-Serie.

Zur Erinnerung an das Ereignis im Jahre 1910 ließ Madame Rosy Sanna (Bild) im Jahre 1999 (1995 bis 2001 kommunistische Bürgermeisterin von La Ciotat) eine Tafel an der Mauer des Pétanque-Platzes von La Ciotat anbringen.

Tafel < siehe hier.

Nachdem das Pétanque-Spiel schnell Freunde in Marseille und in der ganzen Provençe gefunden hatte, wurden 1927 die ersten offiziellen Pétanque-Regeln aufgestellt.  Da das Spielfeld keinen strengen Regeln unterzogen wurde, eröffneten sich große Möglichkeiten, dieses Spiel auszuüben. Man war nicht mehr beschränkt auf ein genau eingeteiltes Spielfeld auf einem bestimmten Platz, sondern man spielte auf Plätzen vor Kirchen, in Parks und auf ungepflasterten Dorfstraßen.

Ernest Pitiot war der eifrigste Verfechter dieses neuen Spieles und bemühte sich um seine nationale Anerkennung, die er in der Bildung einer Pétanque-Sektion im französischen Boule-Verband gesehen hätte, der damals von den Spielern des Boule Lyonnaise beherrscht wurde. Nach der letzten Ablehnung seines Antrages überredete er die Spieler des "provenzalischen" Spiels, gemeinsam mit Pétanque einen neuen Verband zu gründen. Im Jahre 1943 schufen die Ausschüsse Basse-Alpes, Bouches du Rhône, Gard, Var und Vaucluse die Fédération Française Pétanque et Jeu Provencal (FFPJP), der in der Zwischenzeit bereits über eine halbe Million eingeschriebene Mitglieder angehören. Aus politischen Gründen konnte dieser Beschluss erst nach Ende des zweiten Weltkrieges am 16.01.1945 verwirktlicht werden.

1949 wird aber auch schon in Belgien Pétanque gespielt. Er erste belgische (walonische) Pétanque-Club wird mit dem „1ier club, A.B.F.“ gegründet.

Weitere nationale Gründungen folgen 1953 in der Schweiz, 1954 in Marokko, 1955 in Kanada und 1959 in Luxemburg.
Bereits im Jahre 1957 findet in Spa (Belgien) die erste Pétanque-Weltmeisterschaft statt.

Ebenso wird dabei von Vertretern der 6 Länder Belgien, Frankreich, Marokko, Monaco, Schweiz und Tunesien beschlossen, einen internationalen Verband zu gründen.
Am 08.03.1958 wird in Marseille der internationale Verband „Féderation Internationale de Pétanque et Jeu Provencal“ (F.I.P.J.P.) durch die vorgenannten 6 Länder und Spanien gegründet.

1959 tritt Kanada der FIPJP bei, Luxemburg 1959 und 1962 Algerien.

Bis in die 50er Jahre blieb Pétanque im Wesentlichen ein regionales Spiel in der Provençe und im Süden Frankreichs. Der innerfranzösische Tourismus an die Côte d'Azur machte danach das Spiel in ganz Frankreich etwas bekannter. Seinen wirklichen Impuls erhielt das Pétanque-Spiel aber erst Anfang der 60er Jahre nach Ende des Algerienkrieges (1954-1962) als die zurück geholten Algerienfranzosen im ganzen Land die Einheimischen zum Spielen anregten. Diese Entwicklung läßt sich anhand der Verkaufszahlen für Pétanque-Kugeln nachweisen. 

In den letzten zwanzig Jahren dürften die Promotionsanstrengungen der Kugelhersteller zusammen mit der seit 1969 sehr aktiven Führung des französischen und des internationalen Verbandes zur Ausbreitung des Spiels wesentlich beigetragen haben. Der französische Verband gibt heute an etwa 500 000 Spieler Lizenzen aus, die zur Teilnahme an Wettbewerben berechtigen. Schätzungen besagen, daß fünf bis acht Millionen Franzosen Pétanque spielen. Die Popularität des Pétanque-Spiels läßt sich zu einem guten Teil aus der relativ leichten Erlernbarkeit der Bewegungsabläufe erklären. Das kann durch einen Vergleich mit dem „provenzialischen“ Spiel verdeutlicht werden.

Zunächst die Gemeinsamkeiten: Bei beiden sind Spielkugeln und Ziel von gleicher Größe und gleichem Material, es sind die gleichen Mannschaftsformationen möglich und zugelassen, man spielt aus einem Abwurfkreis. Beide kennen die Vorgehensweisen des Legens und Schießens. Legen (frz. pointer) bedeutet, eine Kugel so nah wie möglich an das Ziel heran werfen, Schießen (frz. tireur) nennt man das Wegstoßen einer gut platzierten Kugel durch einen gezielten Wurf. Die zum Sieg benötigte Punktzahl und die Zählweise entsprechen sich bei beiden Spielen ebenfalls.

Die Unterschiede liegen in der Spieldistanz und in den Bewegungsabläufen, die für das Legen und Schießen vorgeschrieben sind: Während bei Pétanque das Ziel zu Beginn der Aufnahme zwischen sechs und zehn Metern vom Kreis entfernt zu liegen hat, sind beim „provenzialischen“ Spiel fünfzehn bis einundzwanzig Meter vorgeschrieben, weshalb es auch als langes Spiel (frz. la longue) bezeichnet wird.

Während bei Pétanque der Spieler im Kreis steht oder hockt, hat er beim „provenzialischen“ Spiel komplizierte Bewegungen auszuführen:

Beim Legen muß er einen Schritt aus dem Kreis heraustreten - meist seitlich, um eine optimale Wurfbahn zu finden - und kann das zweite Bein auf dem Boden im Kreis belassen. Hebt er es aber ab, so darf er es erst wieder niedersetzen, wenn die Kugel gespielt wird. Typischerweise steht der Leger daher auf einem Bein.

Der Schießer hingegen muß drei Schritte aus dem Kreis herauslaufen - in Richtung der zu schießenden Kugel - und beim dritten Schritt seine Kugel spielen. Der Wurf wiederum ist nur gültig, wenn die Kugel in mindestens einem Meter Distanz von dem angekündigten Zielobjekt aufschlägt.

Liegen beim „provenzialischen“ Spiel die Akzente stärker auf Kraft, Beweglichkeit und athletischer Körperbeherrschung, die den Erfolg insbesondere beim Schießen von ausdauerndem Training abhängig machen. So garantiert die ruhige Körperhaltung beim Pétanque höhere Erfolgschancen auch beim Schießen, selbst bei geringerer Übung. Legen und Schießen erhalten einen gleichwertigen Anteil am Spiel. Die insgesamt erhöhten Chancen, vorher überlegte Spielzüge auch verwirklichen zu können, lassen Fragen der Spieltaktik einen größeren Stellenwert gewinnen.

Das „Petanque“ genannte Spiel ohne Anlauf ist also die historisch jüngste Variante aller Kugelspiele und - wenn man so will - wahrscheinlich die erste Behindertensportart. Zugeordnet wird es den Präzisionssportarten.

Von der Provençe aus verbreitete sich  "Pétanque"  bald in ganz Frankreich und später über den ganzen Erdball aus und der Begriff Boule wird heute in vielen Ländern synonym mit Pétanque verwandt, weil andere Kugelspiele oft gar nicht mehr bekannt sind.

Aber, sowohl in etlichen Regionen Frankreichs als auch in anderen Ländern gibt es zahlreiche Arten von Wurf- und Geschicklichkeitsspielen mit Kugeln aus Stein, Holz und Ton nach z.T. ganz anderen Regeln.

Nach wie vor wird das Jeu Provençal, auch a la longue genannt, in der Provençe praktiziert. Es werden regelmäßig Turniere, oft mit höheren Preisgeldern als beim Pétanque, angeboten.

Boule Lyonnaise (gespielt mit größeren Metallkugeln und nach recht kompliziertem Regelwerk), wird vor allem im Rhonetal und in Ostfrankreich praktiziert. (Lyon, Dauphiné, Savoie, Auvergne, Pyrénées, und Île-de-France) Es ist dem Boccia eng verwandt.

Beides wird mit ca. 10 cm großen Kugeln auf präparierten Bahnen gespielt, wobei die Kugeln in Italien meist aus Kunststoff, in Kroatien oft aus Holz sind. Als letzte Variante der Kugelspiele sei noch Bowls (ursprünglich aus Schottland stammend) genannt, das heute in ganz Großbritannien sowie Australien üblich ist.

Übersicht über die gebräuchlichsten Kugel (Boule) -Spielarten: siehe hier

 

Wie Pétanque nach Deutschland kam:

Der Überlieferung nach soll die Wiege deutschen Eisenkugelwerfens die ehemalige (provisorische) Bundeshauptstadt Bonn/Bad Godesberg sein. Angehörige der französischen Botschaft und der Militär-Garnison sollen deutsche Eingeborene mit der hohen Kunst des Pétanque-Spiels bekannt gemacht haben. Etwa zur gleichen Zeit sollen einige Freiburger Schulmeister den Kugelbazillus aus dem Südfrankreich-Urlaub nach Südbaden eingeschleppt haben, weshalb dortige "Boulisten" ihre Stadt auch gleich als den nördlichsten Ort der Provençe wähnten.

Historisch wirklich belegen läßt sich, daß 1963 in Bad Godesberg der erste Boule Club auf deutschem Boden gegründet wurde, nach eigenen Angaben und Vereinsunterlagen zufolge nämlich dem Boule-Club Pétanque Bad Godesberg (auch laut Kölner Rundschau v. 7.2.1965), und 1966 in Saarlouis der zweite.

Einige der in der ganzen Bundesrepublik verstreuten Pétanque-Spieler fanden sich zu Clubs zusammen, bis schließlich im Jahre 1976 auf Initiative von Kugelwerfern aus Bad Godesberg und Freiburg der Deutsche Pétanque Verband (DPV) ins Leben gerufen wurde und der 1977 die erste Deutsche Meisterschaft durchführte. Spieler aus diesen beiden Städten machten die deutschen Meistertitel in den ersten drei Jahren praktisch  unter sich aus.

Anfang der achtziger Jahre traten rasch weitere Aktivist(inn)en, zunächst aus dem Saarland und Berlin, dann aus Düren, Singen, Groß-Gerau und München in Erscheinung. Bald darauf wurde in einem breiten Streifen beidseits des Rheins von der Schweiz bis nach Holland fast flächendeckend gespielt und in den Universitätsstädten von Kiel über Heidelberg bis Tübingen. Der Deutsche Pétanque Verband (DPV) richtet u.a. Deutsche Meisterschaften aus und ermittelt die Teilnehmer für die alljährlichen Weltmeisterschaften. Der DPV ist Mitglied der Fédération International de Pétanque et Jeu Provençal (F.I.P.J.P.) mit Sitz in Marseille. In mehreren Bundesländer entstanden Landesverbände, so auch der Baden-Württembergische Pétanque-Verband. Zurzeit existieren in Deutschland mehrere hundert Clubs mit mehr als 14 000 lizenzierten Mitgliedern. Insgesamt, so schätzt man, spielen in Deutschland ca. 1 000 000 Menschen Pétanque.


Paris (Bois de Vincennes) 1900


Neue Fassung .....wird noch überarbeitet.....
l petanque leonberg


Verantwortlich für den Inhalt ist der Autor der Homepage. Kontakt

Kostenlose Homepage von rePage.de


Anzeige:    Flirten und Bilder bewerten - Lovemission.de