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Bei der immer enger werdenden Lebensgemeinschaft von Mensch und Hund, konnten dem Menschen der vergangenen Jahrhunderte die weitaus schärferen Sinnesleistungen der Hunde nicht verborgen bleiben. Und so kam es wie es kommen mußte, alles was der Mensch mit seinen eigenen Sinnen nicht mehr erfassen konnte, wurde als etwas "Übernatürliches" gewertet. Abergläubische Deutungen boomten.
So führte z.B. die Fähigkeit der Hunde, lange vor dem Menschen bestimmte atmosphärische Veränderungen wahrzunehmen, zu dem Glauben, daß Hunde allgemein Zukünftiges wittern (also wahrsagen) können. Hunde standen im Ruf, zur Geisterseherei befähigt zu sein. Drückte sich ein Hund an seinen Herrn, so seien Geister in der Nähe, welche sichtbar würden, wenn der Mensch von rückwärts durch die Vorderläufe des Hundes oder zwischen dessen Ohren hindurchschaue. In vielen Mythologien sind es stets einzig und allein die anwesenden Hunde, welche das Eintreffen von Göttern auf Erden bemerkten und durch Verhaltensänderungen anzeigten.
Quasi eine Sonderstellung wurde Hunden mit hellen Fellflecken über den Augen eingeräumt - den sogenannten Vieräuglein. Sie sollten besonderen Schutz vor bösen Geistern und Dämonen gewähren können. So gab es u.a. die (altindogermanische) Sitte, Vieräuglein bei Leichenfeierlichkeiten als reinigende Wesen einzusetzen. Dreimal sollten sie über den Weg geführt werden, den die Totenprozession zuvor genommen hatte. Danach sei der Weg wieder rein, denn lauernde Geister und Dämonen müssen beim Anblick dieser "besonderen" Hunde die Flucht ergreifen und an ihren Ursprungsort zurückkehren.
Bei vielen Tieren sind nun gerade die Augen besonders betont bzw. bei manchen sogar nur vorgetäuscht. Man denke da z.B. an einige Schmetterlingsarten, die auf ihren Flügeln besonders markante Farbflecken zur Schau stellen. Mit dieser listigen Signalfälschung, können sich die jeweiligen Signalsender u.U. einen erheblichen Vorteil verschaffen. Ihr "Blick" kann wachsamer, kontrollierender, bedrohlicher wirken. Ja, er scheint damit sogar noch vorhanden zu sein, wenn das Tier ruhend seine Augen geschlossen hat oder eben artbedingt über gar keine ausdrucksstarken Augen verfügt.
Für Hunde hat das Auge zudem einen besonders hohen Stellenwert. Es ist in der Tat das einzige Sinnesorgan, das Reize nicht nur empfängt, sondern Signale auch aussendet. Augenkontakt ist immer ein Bestandteil von Kommunikation und beeinflußt die Beziehungen der einzelnen Individuen untereinander. Es geht also nicht nur um das, WAS der Hund sieht, sondern auch darum, WIE der Hund gesehen wird. Augenkontakt sollte von daher nicht auf eine reine Sehleistung reduziert werden, sondern durchaus auch als eine Art von Verhaltensleistung verstanden werden. Mag es uns da noch wundern, daß gerade die große Familie der Hütehunde nicht ohne Vieräuglein auskommen konnte (Geister hin, Dämonen her)? |